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Cake day: March 18th, 2026

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  • Naja, es war bei mir irgendwo schon ziemlich kritisch. Ich war einerseits Software-Entwickler, andererseits gleichzeitig dabei auch immer tiefer in den Depressionen und dann auch irgendwann funktionierender Alkoholiker. Gerade im Großkonzern hat das irgendwie immer noch funktioniert, weil ich schon als Kind programmieren gelernt habe und man sich da gut den halben Tag durch die Bürokratiemühlen mogeln kann, auch wenn ich so nicht gerade der Erstkandidat für Beförderungen war. Vor allem im Home-Office konnte ich das auch immer gut vertuschen, während aber meine eigene Gesundheit trotzdem dadurch weiter bergab ging. Mit meinem Wechsel in die Philosophie hat sich das alles radikal geändert, und als ich dort dann auch lernte, wie z.B. Sokrates das Philosophieren auch schon als Therapie oder mentale Medizin bezeichnete, war das für mich fast schon wie eine Epiphanie. In meinem Narrativ sage ich mittlerweile, dass die Philosophie mir das Leben gerettet hat.

    Stimmt schon, dass die finanzielle Absicherung da das größte Thema bleiben wird. Also zuerst glaube ich, dass mein Lebensstandard keine sehr hohen Ansprüche hat. Computer sind zwar immer noch ein Hobby und wollen alle paar Jahre ein Upgrade, für ein Fahrrad gebe ich auch vierstellig aus, aber sonst habe ich nie vom großen Haus und großen Autos geträumt; ich tendiere auch sogar eher, vielleicht sowas in Richtung Generationenhaus vom Lifestyle zu planen, aber das sind bisher nur Blaupausen. Ich glaube auch nicht, dass ich mit der Philosophie arbeitslos bleiben werde, ich habe ja auch noch meinen Informatik-Master und kann mir auch vorstellen, weiter mit Computern zu arbeiten; nur halt lieber vielleicht im Kulturbereich, in Museen, Bibliotheken, mit konkreten Menschenkontakt und nicht in einer Industrie die den ganzen Tag Produkte herstellt, die ich mir selber niemals kaufen würde. Aber zuerst ist das nächste Ziel, eine Dissertation über Philosophie und Digitalität zu schreiben. Paradoxerweise war ich noch nie so produktiv wie in der Zeit, wo ich mich in die Philosophie eingearbeitet habe, auch wenn es keine wirtschaftliche Produktivität war.

    Dann muss ich als letzten Grund erwähnen - und da gibt es auch Leute, die das ganz anders sehen, es ist vielleicht etwas ein Glaubenssystems -, aber ich glaube nicht, dass wir zu den Generationen gehören, die sich jetzt etwas ansparen können und dann einen garantierten gesicherten Lebensabend haben. Stichworte Rentensystem, Inflation, Weltlage, etc. Sicher, wer da all-in geht, wird sich mit Immobilien, ETFs, Gold oder was auch immer so gut wie möglich absichern können, aber für solche Lebensplanungen bin ich ehrlich gesagt auch einfach zu verballert. Ich bin auch mit Asperger-Syndrom diagnostiziert, ich bin auch schonmal in quasi idiotischer Naivität auf Finanzbetrüger reingefallen; theoretische Konzepte von Computer bis Philosophie geben meinem Kopf Freude und Ruhe, aber sobald ich zwei Aktienkurse miteinander vergleichen muss, werde ich sofort wieder depressiv.

    Vielleicht stelle ich mir das ein bisschen zu rosarot vor, aber ich würde lieber so Habermas-Style noch mit 90 an dem arbeiten, was mir Freude bereitet als bis 67 an etwas, wofür ich einfach nicht die psychische Resilienz habe. Es gibt ja auch in jeder Nachbarschaft diesen Stereotypen der Person, die nach 40 Jahren Arbeit in Rente gegangen ist und dann nach 4 Jahren vollkommen abgebaut hat, und das halte ich auch immer für ein mögliches Szenario.

    Das war jetzt ein relativ langer post, aber alles in allem habe ich herausgefunden, dass meine damalige finanziell sichere Schiene zuviel andere Probleme hatte, um summa summarum von einem guten Leben reden zu können. Und mir ist auch voll bewusst, dass ich in anderen Aspekten zur Zeit auf einen eher risikoreicheren Pfad bin. Aber ich glaube, ich sehe mich zur Zeit so ein bisschen als das Klischee des “crazy artist”, der sein einziges Leben dafür nutzt, etwas zu versuchen und anders zu machen als die 08/15-Lebensplanung. Und solange ich gut mit den Karten spiele, die mir auf die Hand kommen, wird sich immer eine kreative Lösung finden. Man muss halt auch nur wollen, dass man immer ein Problemlöser sein wird anstatt sich auf den Wohnzimmersessel auszuruhen.



  • Ich stimme dir da voll zu, dass das Geschmackssache ist, und wenn du in Bash dein Muskelgedächtnis hast, ist ja auch klar, dass du es dann bevorzugst. Ich kam halt nie dazu, mir die eigenwillige Syntax zu merken und selbst als ich an Linux gegen Geld gearbeitet habe, musste ich bei den alle paar Monaten, wo ich einmal was in Bash machen musste, immer wieder von vorne nachschauen, was jetzt $ und # und @ nochmal bedeutet. Ist natürlich keine Herausforderung, wenn man da einmal drin ist, aber ich hab deswegen auch immer den Verdacht, dass Bash Anfänger eher abschrecken würde, weil z.B. Python da ja doch auch intuitiv leserlicher ist.






  • Das große Problem ist halt, dass die allermeisten Leute denken, politische Ideologien kommen irgendwie in einer Sammelbox und ordnen dann eine partikulare Ansicht einem ganzen Spektrum zu. Da hat man dann diese politischen Kommentare, die schon im Antlitz ungesagt klingen, weil andere das ja auch gesagt haben. Der Bürokratieabbau beispielsweise: Es ist ja gar nicht so eine falsche Meinung, zu sagen, dass Bürokratie vielleicht irgendwie auch effizienter sein könnte. Aber dann hast du halt Musk und Co. die das auch sagen und das dann mit rechter Kettensägen-Ästhetik verbinden. Ist der moderne Journalismus in der heutigen Zeit irgendwie kritikwürdig? Ich denke, auf alle Fälle. Aber dann schreie ich ja Lügenpresse.

    Ich fand immer, spätestens als wir in der Coronazeit auf diesen Berlindemos gesehen haben, wie LGBT-Flaggen direkt neben Reichskriegs-Flaggen marschiert haben, müssen wir endlich mal etwas präziser über politische Einstellungen nachdenken. Ich würde niemals die AfD verteidigen und mein eigener Lebensstil gilt auch eher als “alternativ”, ich bin fast schon Borderline-Systemaussteiger; es ist aber meiner Meinung ziemlich ersichtlich, dass wir uns immer mehr aufgrund einzelner Aussagen gegenseitig bekriegen, während die Gewinner dieser politischen Rosenkriege ganz woanders stehen.

    Wie auch schon andere geschrieben habe, sich lokal in der Politik engagieren kann ein Schritt sein. Dabei auf Probleme eingehen, die in der eigenen Community liegen. Anderen Leuten zuhören – und dabei auch situiertes Wissen berücksichtigen; und zwar für alle. Das ist nicht einfach, aber wir müssen wieder lernen, zu verstehen, woher bestimmte Perspektiven herkommen.








  • Mein zuletzt gelesenes Buch war von dem Autoren Neil Postman über die Pädagogik mit dem Titel Learning as a Subversive Activity. Es ist im großen ziemlich radikal und teilweise vielleicht auch ein wenig polemisch, aber nach der Lektüre triggern mich solche Schlagzeilen nur noch umso mehr. Im Grunde verurteilt er in dem Buch jegliches Lernen, welches von Lehrkäften aufgezwungen wird und bezeichnet dies größtenteils als komplett ineffektiv. Menschen lernen das, was sie in ihrer Umgebung in irgendeiner Weise brauchen und so sollte auch das ganze Schulsystem aufgebaut sein. Analoge Uhren zu lernen ohne den Kindern einen Grund zu geben, wieso sie das überhaupt brauchen (Postman bezeichnet das auch direkt als “survival skills”), ist einfach nur Zeitverschwendung. Man kann entweder eine Lebens-Umgebung schaffen, in der das Analoge-Uhren-lesen Sinn ergibt oder man lässt es und bringt den Kindern die Uhren bei, die sie auch im Alttag am meisten begegnen.

    Wenn solche Uhren in der Realität verschwinden, dann ist das halt so. Und wenn sie irgendwann doch wiederkommen, werden Menschen sich die Fähigkeit, sie zu lesen, auch wieder aneignen. Ist ja auch nicht so, dass man das mit 14 gelernt haben muss und ansonsten kriegt das Gehirn das nicht mehr hin.